Wie kam der Kies in die Kiesgrube?


Der Reussgletscher

Vor vielen tausend Jahren wälzte sich der Reussgletscher als mächtiger Eisstrom aus den Alpen und bedeckte mit seiner gewaltigen Eisdecke das Mittelland. Mit unermüdlicher Kraft schob er Felsbrocken, Kies und Sand vor sich her, schliff Täler glatt, türmte Moränen auf und liess – als er schmolz – eine bunte Sammlung von Steinen zurück. Diese Steine sind nicht nur Zeugen der Eiszeit, sie erzählen auch ein Stück Erdgeschichte. Tektonische Kräfte bauten mit diesen Steinen einst die Alpen. Heute finden wir diese Steine als buntes Sammelsurium in unseren Kiesgruben.

Während des letzten glazialen Maximums (LGM) vor rund 20‘000 Jahren erreichte der Reussgletscher seine grösste Ausdehnung. Er prägte die Landschaft der Zentralschweiz massgeblich. Das Eis floss aus den Alpen weit ins Mittelland hinein und vereinigte sich teilweise mit den benachbarten Linth- und Aaregletschern.

In dieser Phase war die Eisschicht so mächtig, dass nur die höchsten Berggipfel als eisfreie Nunatakker aus der Eismasse ragten. Der Gletscher hobelte tiefe Täler aus und hinterliess beim späteren Abschmelzen markante Moränenlandschaften sowie riesige Findlinge.

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Der Reussgletscher während dem letzten glazialen Maximums (LGM) vor rund 20'000 Jahren.

Eiszeitliche Formung der Landschaft

Der Baldegger- und Hallwilersee sind typische Zungenbecken, die durch die erosive Kraft des Gletschers entstanden sind. Sie wurden später durch Stirnmoränen (Schuttwälle am Gletscherrand) eingerahmt. Charakteristisch für diese Oberfläche sind zahlreiche rundliche Hügel. Diese werden als Drumlins bezeichnet. Drumlins sind stromlinienförmige Moränenhügel, die unter dem Eis geformt wurden und deren Ausrichtung die Fliessrichtung des ehemaligen Gletschers erkennen lässt.

Als der Kies nach Ballwil und Eschenbach kam

Die Hügelkette zwischen Rooterberg und Sonnenberg bildete damals ein wichtiges topografisches Hindernis. Erst nachdem diese Barriere überwunden war, konnte sich der Reussgletscher weiter ins Mittelland ausbreiten und als sogenannter Piedmontgletscher ausdehnen. Ohne diese geologische Situation wäre das Material vermutlich früher im Becken des Vierwaldstättersees abgelagert worden und nicht so weit ins Mittelland transportiert worden.

Die Kiesvorkommen im Raum Eschenbach – Ballwil – Hochdorf liegen am Südrand des flachen Seetals im Kanton Luzern. Dieses Tal verläuft in etwa von Süd-Südost nach Nord-Nordwest und wird beidseitig von den Hügelzügen (Erlosen und Lindenberg) der Oberen Süsswassermolasse begrenzt – einer voralpinen Gesteinsformation, die im Mittelland weit verbreitet ist.

Der Reussgletscher vor ca. 85'000 Jahren

Zwischen 85‘000 und 55‘000 Jahren rollten die verwilderten Schmelzwasserflüsse den Gesteinsschutt nach Eschenbach und Ballwil. Die damalige Reuss floss durch das Seetal.

Kiesvorkommen unter der Moräne

Die eigentlichen Kies- und Schotterkörper der Region sind nur selten direkt sichtbar. Sie liegen grösstenteils unter der jüngeren Moränendecke verborgen und treten nur in den Kiesgruben bei Eschenbach und Ballwil offen zutage.

Geologisch besonders wichtig ist dabei die Lagerung:

  • oben: jüngere Moräne des letzten Gletschervorstoßes
  • mitte: mächtige Kies- und Schotterkörper
  • unten: ältere Moränenablagerungen eines früheren Gletscherstadiums

Diese Abfolge zeigt, dass die Schotter deutlich älter sind als die oberste Moräne.

Der Reussgletscher vor ca. 85'000 Jahren